7. Radon-Netzwerk-Treffen in Augsburg

Radon  /  30. März 2017

Die EU-Richtlinie 2013/59/Euratom schreibt vor, dass die EU-Länder einen Referenzwert für die Radonkonzentration in Innenräumen festlegen müssen. Ab Februar 2018 muss es also auch in Deutschland ein Gesetz für die Radonbelastung geben. An Arbeitsstätten muss künftig Radon gemessen werden. Wie das vonstatten gehen kann, darüber informierte Ulrich Buchner vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. Laut Buchner ist eine Radonmessung in Wohnhäusern leichter durchzuführen als in größeren öffentlichen Gebäuden oder Industriebauten, weil das Gas hier mehrere Ausbreitungswege hat wie zum Beispiel über Aufzugsschächte, Lüftungen und Leitungen. Außerdem seien größere Gebäude meist komplexer gebaut. Deshalb haben das Bundesamt für Strahlenschutz und das Radon Competence Center der Südschweiz eine internationale Arbeitsgruppe gegründet, die große Gebäude klassifizieren und Gebäude- und Messparameter bestimmen soll, um einen einheitlichen Leitfaden für Messungen zu entwickeln.
Dipl. Ing. Jörg Grünbauer, Mitglied der Geschäftsführung der mmc automation GmbH, referierte zum Thema Radon in Verbindung mit Lüftungsanlagen. Insbesondere sei darauf zu achten, dass keine Unter- oder Überdruckzonen entstehen. Unterdruck könne Radon aus dem Erdreich nämlich zusätzlich „ansaugen“, Überdruck könne belastete Raumluft aus dem Keller in andere Räume verteilen. Außerdem sei bei einer Belüftung des Kellers daran zu denken, dass ein falsches Lüften im Sommer (zu warme Luft trifft auf zu kühle Wände) zu Kondensation an den Wänden führen kann und Schimmelbildung begünstigt wird.
Welch großen Aufwand eine Radonerhebungsmessung darstellt, darüber sprach Ingo Fesenbeck vom Karlsruher Intitut für Technologie. Anhand des Beispiels einer Messkampagne in 1.600 baden-württembergischen Schulen wurde deutlich, dass es neben dem messtechnischen Aufwand einige Fragen zu klären galt wie „Ist die Schule unterkellert?“ oder „Wie viele häufig genutzte Räume (wie Klassenzimmer, Hausmeisterbüros, etc.) befinden sich im Erdgeschoss?“ Über eine Haussanierung wegen zu hoher Radonbelastung berichtete Dr. Korbinian Freier vom Landesamt für Umwelt. Bei dem Haus aus dem Jahre 1934 hatte der Besitzer die alten Fenster durch Doppelglas-Isolierfenster austauschen lassen. Später erfuhr er durch Zufall, dass es in der Umgebung zu Radonbelastungen kommen kann,und ließ ein Jahr lang Messungen durchführen. Die Auswertung ergab bis zu 1.000 Becquerel (Bq) als Mittelwert. Ab 100 Bq empfiehlt das Umweltbundesamt, tätig zu werden.

Tags:

# Radon-Netzwerk-Treffen # Euratom # Bauzentrum München # Edelgas Radon # 100 Bq